Bärlauch: Geschichte

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Bärlauch-Feld

Anders als seine Brüder, der Knoblauch und die Zwiebel, ist der Bärlauch in Mitteleuropa heimisch.

Daher war er natürlich auch schon den alten Germanen bekannt.

Heidnische Bären-Verehrung

Auch der Name "Bärlauch" deutet darauf hin, dass der Bärlauch in Mitteleuropa schon zu heidnischen Zeiten sehr beliebt war.

Der Bär wurde als besonders starkes Tier nämlich sehr verehrt und besonders kräftige und heilwirksame Pflanzen wurden nach dem Bären benannt. Das sind ausser dem Bärlauch beispielsweise auch Bärenklau, Bärlapp, Bärentraube und Bärwurz.

Bären gelten als Frühjahrsboten und fruchtbarkeitsbringend. Sie stehen ausserdem für die Pflanzenheilkunde.

Man erzählt sich, dass die Bären nach ihrer Winterruhe zuerst den würzigen Bärlauch essen, um nach dem langen Schlaf einen ordentlichen Vitamin- und Nährstoffschub zu bekommen. Dies soll auch der Grund dafür sein, dass der Bärlauch "Bärlauch" heisst.

So wie diese Geschichte weiter erzählt wird, hat sie etwas von einer Legende, die einer vom anderen aufschnappt und nacherzählt.

Allerdings ist es durchaus plausibel, dass Bären im Frühjahr gerne Bärlauch essen. Sie sind nämlich Allesfresser und fressen unter anderem gerne Kräuter.

Was liegt da näher, als im zeitigen Frühjahr reichlich Bärlauch zu essen, denn dort wo er wächst, kommt er in Massen vor, er schmeckt lecker und belebt Körper und Geist. Auch die Verdauung wird in Schwung gebracht und das kann ein Bär nach einer langen Schlafphase sicher gut gebrauchen.

Ob jedoch der Name des Bärlauchs daher kommt, dass der Bär den Bärlauch isst, ist durch diese Plausiblität noch lange nicht bewiesen, aber es ist eine nette Geschichte.

Ramser kommt von hroms

Der volkstümliche Name "Ramser", der auch für den Bärlauch benutzt wird, leitet sich vom germanischen Begriff "hroms" her, das ein Name für Zwiebelgewächse ist.

Diese Tatsache weist auch deutlich darauf hin, dass der Bärlauch schon zu germanischen Zeiten eine wichtige Rolle gespielt hat.

Karl der Grosse und der Bärlauch

Bärlauch

In seiner Landgüterverordnung "Capitulare de villis vel curtis imperii" befahl Kaiser Karl der Grosse, dass in jedem Garten der kaiserlichen Güter unter anderem der Bärlauch angepflanzt werden sollte.

Durch diese Landgüterverordnung setzte Kaiser Karl einen wichtigen Massstab für wichtige Heilpflanzen und Nutzpflanzen.

An den Pflanzen, die Kaiser Karl empfahl, orientierten sich auch private Gärten, sodass sich die empfohlenen Pflanzen weit verbreiteten.

Dadurch fand auch der Bärlauch eine weite Verbreitung in den damaligen Gärten.

Verwilderung

Später geriet der Bärlauch weitgehend in Vergessenheit.

In den mittelalterlichen Klöstern war der Bärlauch aus mehreren Gründen nicht so gern gesehen.

Einerseits galt er als fruchtbarkeitsfördernd und steigernd auf die Sinnlichkeit und mitteleuropäische Pflanzen galten in den Klöstern generell weniger als Kräuter, die aus dem Mittelmeerraum eingeführt worden waren.

Der mediterrane Knoblauch war auch den Mönchen als Heilpflanze bekannt, obwohl sie selbst ihn eher mieden, weil er zu sinnlich machen sollte.

Auch der Geruch von Bärlauch und Knoblauch galt damals als unrein, er wurde teilweise sogar mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Das alles sorgte dafür, dass der Bärlauch nicht mehr so geachtet wurde wie in den Jahrtausenden davor.

Nur als Wildgemüse war er noch manchen naturverbundenen Menschen bekannt.

Geheimtipp der Landfrauen

Bärlauch-Blüten

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts fand man den Bärlauch in kaum einem Kräuter- oder Kochbuch.

Sein Aroma galt sogar als unangenehm. Daher wurde jahrhundertelang offiziell auf die heilkräftige Wirkung des Bärlauchs verzichtet.

Nur wenige Bäuerinnen rund um die Alpen verwendeten den Bärlauch im Frühling.

Da diese Frauen jedoch keine Bücher schrieben, bliebt ihr Wissen nahezu unbekannt. Nur von Bauersfrau zu Bauersfrau oder Tochter wurde dieses Wissen weitergegeben.

Der moderne Bärlauch-Boom

Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Bärlauch durch mehrere schreibende Kräuterfrauen und einige experimentierfreudige Köche wiederentdeckt.

Seitdem hat er einen einzigartigen Siegeszug angetreten.

Von Jahr zu Jahr wird er beliebter.

Zahlreiche Bärlauch-Bücher tummeln sich auf dem Buchmarkt, es gibt Bärlauch-Feste und Bärlauch-Fernsehsendungen.

Sogar Bärlauch in Tablettenform als gesundheitsförderndes Nahrungsergänzungsmittel gibt es heutzutage schon.

Manche Orte veranstalten offizielle Bärlauch-Wanderungen zur Ernte in den lokalen Bärlauchbeständen.

Fast jedes Restaurant auf dem Land bietet im Frühling Bärlauchgerichte an.

Selbst in Lebensmittelgeschäften kann man den Bärlauch inzwischen kaufen, meist aus dem europäischen Ausland importiert.

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